Sarah Kautz

Tiertrainerin


"Balu wird morgen eingeschläfert! Es geht nicht mehr!

Er attackiert meinen Mann und alle Menschen die er nicht kennt!"

 

Mit diesem Satz fing alles an!

Angelika, eine Schülerin die mich regelmäßig als Trainerin für ihr Pferd bucht, bricht währed einer Einheit in Tränen aus.

Was ist passiert?

Balu, ihr schwarzer Schäferhund-Mix den sie mit der Flasche groß gezogen hat,

attackiert ihren Mann + alle Menschen die er nicht von klein an kennt.

Am Tag davor hat Balu ihren Mann wieder einmal stark gebissen, sodass er genäht werden musste.

 

Wer jetzt glaubt, Angelika hat Balu einfach nie versucht zu erziehen, der irrt sich!
Die zwei waren in der Hundeschule seit Balu 10 Wochen alt war.
Als die ersten Problemchen mit 14 Wochen auftraten, Balu vermehrt Trainer und andere Kursteilnehmer angeknurrte hatte,

durften sie die Hundeschule nicht mehr besuchen.
Insgesamt hat Angelika dann im Laufe der Jahre 8 verschiedene Hundeschulen und Privattrainer durchprobiert- die meisten rieten ihr, den Hund wegzugeben oder einschläfern zu lassen.
Seit Balu 1 Jahr alt war, konnten ihn nur noch Personen angreifen, die er von seiner Welpenzeit an kannte.

Alle anderen Personen hat er attackiert.

 

Nun steht sie vor mir, am Boden zerstört mit ihrem Pferd in der Hand.

 

Ich gebe zu dieser Zeit gerade nur Pferdetrainings, noch keine Hundetrainings.

Zwar habe ich selbst einen Hund, trainierte auch einige Jahre privat 2x wöchentlich mit Mitgliedern der

Rettungshundestaffel und später während eines Praktikums in der Steiermark mit

Ausbildnern von holländischen Polizeihunden. Auch einige Kurse hatte ich damals schon besucht,

aber nur aus persönlichem Interesse.

Und schon damals gefiel es mir nicht, dass nahezu alle Trainer alle Hunde gleich trainieren.
Mit "Sitz", "Platz", "Hier" wird quasi immer gestartet.
Unabhängig von Rasse, Persönlichkeit oder Lerntyp.

 

Schon damals habe ich meine Hündin anders trainiert. Nämlich abgestimmt auf ihre Rasse, ihre Persönlichkeit und ihren Lerntypen.

Auch mit einigen Freunden und Bekannten denen ich gelegentlich bei Hundeproblemen half, trainierte ich so.

Für mich war das damals nichts Besonderes - ich trainierte einfach individueller und mein Hund und die meiner

Freunde hatten damit tolle Erfolge.
Genau nach diesem Prinzip hatte ich auch als kleines Kind meine Vögel und mein Kaninchen trainiert.
Mit dem Resultat, dass die Wellensittiche und später mein zahmer Perlenstar auf Kommando von A nach B fliegen konnten,

und das Kaninchen lernte zu apportieren und an der Leine zu gehen.

 

Ich fragte Angelika was sie denn schon alles probiert hatte. Balu kannte ich zu diesem Zeitpunkt nur flüchtig.
Er trug immer einen Maulkorb, kam aber kaum mit in den Stall.

Er war der typische Angstbeißer und alles stresste ihn.

Angelika erzählte mir also was sie schon alles probiert hatte. Angefangen bei Unterordnung, über Clickertraining,

Auslastung mit Tricks, Fahrrad fahren, etc, Klick für Blick Training, nur noch von fremden Füttern lassen,

Ablenken, Umlenken, Gegenkonditionieren usw.

- Die Liste war relativ lange.

 

Damals wusste ich nicht ob ich es sagen sollte, oder nicht. Mir tat Balu unglaublich leid.

Er war erst 3 Jahre alt. Ich fragte mich innerlich, wie man bei einem komplett hektischen
Nervenbündel auf die Idee kommt, mit Futter/Spiel die Erwartungshaltung (und damit das hektische Verhalten)

in sowieso schon schwierigen Situationen (z.B Menschenbegegnungen) nochmal mehr zu steigern.

Ich hab es vorsichtig formuliert....es kam nicht gut an!

Angelika war sowieso schon komplett traurig, weil sie alls, wirklich alles versucht hatte.

Sie sagte "Wenn du glaubst du kannst es besser, bitte probier es! Wenn du es schaffst ihn zu streicheln ohne dass er

ausrastet, sag ich den Termin morgen beim Tierarzt zum Einschläfern ab!

Aber wenn du nur groß redest wie alle anderen, dann geh jetzt bitte!"

 

Jetzt hatte ich keine Wahl mehr. Und ich hoffte das wir den Tierarzttermin absagen konnten.

Allerdings hatte ich noch nie so einen Hund in der Hand.

 

Ich ging also zum Auto. Balu saß mit Maulkorb in einer Box im Kofferraum.

Damals schon kannte ich NLP (Neurolinguistisches Programmieren) und kombinierte dieses Wissen,

mit einer Technik aus dem Natural Horsemanship (Pferdetraining) abgewandelt für Balu.

Angelika blieb einstweilen im Stall, sie war traurig weil sie nicht mehr wusste wie sie Balu helfen sollte.

Der Tierarzttermin war keine 24 Std mehr entfernt.

Balu war ein sehr cleverer Hund. Nach etwa 20 Minuten konnte ich mich der Box nähern, ohne dass er gegen die Gitterstäbe fuhr.

Ich musste ihn aber angreifen können, um Angelika zu überzeugen, ihn nicht einschläfern zu lassen.
Also suchte ich mir einen kleinen Zweig und fing an ihn damit sanft durch die Gitterstäbe zu streicheln,

- mit der damals noch sehr unausgereiften Technik, welche ich aus dem NLP & Horsemanship abgewandelt hatte.

 

Anfangs hatte Balu noch Angst und attackierte meinen Zweig. Bald ging aber auch das.

Er hatte einen Maulkorb oben, also griff ich langsam durch die Gitterstäbe und streichelte ihn mit der Hand.

Balu schnüffelte an meiner Hand und wedelte.

Neben der Autobox lag eine Leine. Ich befestigte sie an seinem Halsband, Balu blieb freundlich.

Also lies ich ihn raus. Bevor wir zu Angelika gingen, wollte ich sicher sein, dass er mich nicht doch noch attackieren würde.

Wir gingen also eine Runde durch ein nahes Wäldchen. Balu verhielt sich mir gegenüber die ganze Zeit lang so freundlich,

wie gegenüber Angelika und forderte mich immer wieder zum Spielen auf.

So viel Hundekenntnis hatte ich damals schon - der Hund beißt mich heute nicht mehr!

Also kam der Maulkorb auch ab und Balu brachte mir diverse Stöckchen.

Mittlerweile waren etwa 2 Stunden vergangen seit ich den Kofferraumdeckel geöffnet hatte.

 

Das kann es doch nicht sein! 8 Hundeschulen, der Hund soll eingeschläfert werden!?

Ich ging zurück zum Auto. Dort stand Angelika die mich die ganze Zeit lang schon versucht hatte anzurufen.

Sie schaute mich erst einmal gefühlte 10 Minuten fassungslos an. Kurz wurde sie panisch, weil ich den Maulkorb runter gegeben hatte,

dann fiel sie mir weinend um den Hals - niemand konnte Balu angreifen seit er 1 Jahr alt war.

Mit ein paar Übungen schafften Balu und ich es in unter 2 Stunden.

 

Wir trainiereten die nächsten Tage mit vielen verschiedenen Menschen.
Balu hat mittlerweile kein Problem mehr mit fremden Menschen und liebt Angelikas Mann.

Der Einschläferungs-Termin wurde abgesagt.

 

Ich habe mich daraufhin mit vielen verschiedenen Trainingsansätzen beschäftigt. Sowohl mit Hundetrainingsansätzen,

als auch mit Ansätzen aus dem Menschentraining oder dem Natural Horsemanship.

Viele Lösungsstrategien kann man toll auf Hunde abwandeln und damit große Erfolge in kurzer Zeit erzielen.

Auch viele (welt-)bekannte Trainer wie Linda & Pat Parelli, Monty Roberts, Cesar Millan,

Sascha Steiner, Roman Braun, uvm. durfte ich schon persönlich kennenlernen.

 

Im Laufe der Zeit habe ich ein umfangreiches Konzept entwickelt mit dem ich seit Anfang 2017 erfolgreich

Problemhunden und ihren Besitzern zu einem harmonischen Zusammenleben helfe.

 

Mittlerweile habe ich mich auf schwierige Hunde spezialisiert. Natürlich sind aber auch Welpen, Junghunde und

"kleine Problemfälle" willkommen - damit große Probleme erst gar nicht entstehen müssen!

Auch Pferdetrainings und Kurse sind auf Anfrage möglich, so wie Trainings mit "ungewöhnlichen Haustieren" wie

Alpakas, Vögel, Schweine, Wasserbüffel, etc!